Seeadler

Seeadler (Haliaeetus albicilla) früher nur überfliegend und heute Nahrungsgast in den Rieselfeldern. Foto: Holger Mohn.

Zuordnung:

Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Gattung: Seeadler (Haliaeetus)

Entgegen ihres Namens gehören Seeadler nicht zu den eigentlichen Adlern, sie sind näher mit dem Mäusebussard als beispielsweise mit dem Steinadler verwandt.
Bis Anfang der 2000er Jahre wurde der Seeadler mit wenigen Einzelsichtungen nur überfliegend auf dem Durchzug gemeldet. In den letzten Jahren sind die Sichtungen von Seeadlern in den Rieselfeldern immer häufiger geworden. Die Sichtungen verteilen sich mittlerweile über das ganze Jahr. In 2025 war im Frühjahr ein Seeadler-Pärchen für drei Wochen im Gebiet und nächtigte in einem nahegelegenen Buchen-Altholzbestand. In 2026 wurde im Frühjahr hin und wieder ein Pärchen als Nahrungsgäste gesichtet. Seitdem gibt es regelmäßig Meldungen von einem jagenden Seeadler in den Rieselfeldern, der den Wasservögeln vor allem am Großen Stauteich nachstellt. Gelegentlich wurden auch 2 Seedler gleichzeitig gesehen.

Seeadler im Anflug auf mögliche Wasservogelbeute am Großen Stauteich. Foto: Michaela Stenz


Der Trend passt zur generellen Entwicklung in Deutschland. Im 20 Jahrhundert war der Seeadler bei uns nahezu ausgestorben. Seeadler hatten ein schlechtes Image und litten daher unter Verfolgung. Es wurde unter anderem befürchtet, dass sie Nutztiere reißen oder Kinder entführen, was allerdings unbegründet ist. Dennoch wurden sie geschossen, an ihren Nistplätzen gestört und vertrieben oder vergiftet.
Neben diesen direkten Angriffen wurden Seeadler auch durch die Unwissenheit der Menschen bedroht. Sie erlitten Bleivergiftungen, wenn sie an geschossenen Tieren fraßen und hatten schlechten Bruterfolg aufgrund des DDT. DDT ist ein Insektizid (Insektenvernichtungsmittel), welches vor allem in den 1950er und 1960er Jahren eingesetzt wurde. Greifvögel nahmen es mit ihrer Nahrung auf, es reicherte sich an und sorgte für dünnere Eierschalen. Daher werden diese bei der Brut meist zerdrückt und es kommt nicht zum Schlupf der Küken.

Das es heute wieder recht viele Seeadler in Deutschland gibt, ist nicht einfach zufällig so gekommen.
DDT wurde in Mitteleuropa glücklicherweise in den 1970ern verboten. Zudem haben sich sehr viele Freiwillige und Ehrenamtliche für den Schutz dieser besonderen Greifvögel eingesetzt. Die Horststandorte wurden und werden teilweise immer noch geheim gehalten und in manchen Fällen bewacht.
Heute ist der Seeadler vor allem durch Kollision mit Zügen, Hochspannungsleitungen und Rotoren von Windkraftanlagen gefährdet. Aber auch illegale Greifvogelverfolgung mit zum Beispiel vergifteten Ködern macht auch heute noch vor Seeadlern nicht halt.

Seeadler mit imposanten Flügeln im Flug über den Rieselfeldern. Foto: Michaela Stenz.

Mit einer Spannweite vom bis zu 2,4 m ist das Seeadler-Weibchen der größte Brutvogel in Deutschland und wird daher auch oft der „König der Lüfte“ genannt. Wie bei den meisten Greifvogelarten sind die Weibchen etwas größer als die Männchen. Man vermutet, dass dieser sogenannte Geschlechtsdimorphismus (d.h. beide Geschlechter haben unterschiedliche äußere Körpermerkmale) hilfreich ist, um Nahrungskonkurrenz zwischen den Partnern zu vermieden, da das Weibchen so etwas größere Beutetiere fangen kann.
Das Beutespektrum der Seeadler ist sehr vielseitig und erstreckt sich von Fisch über Wasservögel, wie Enten und Gänse, bis zu Aas. In den Rieselfeldern hat er es besonders auf Gänse und Enten abgesehen. Bereits geschwächte Tiere sind die leichtere Beute.

Seeadler auf einem Pfahl ansitzend, lauert auf Wasservögel in seiner Umgebung. Foto: Michaela Stenz.
Wie bei anderen Greifvögeln auch, kann man bei Seeadlern beobachten, dass sie von anderen viel kleineren Vögeln in der Luft attakiert werden. Als wendigere Flieger, die den Seeadler mit dem Schnabel zusetzen, können auch kleine Vögel dem großen Seeadler lästig werden. Hier attakiert eine Lachmöwe den Seeadler, um ihn aus ihrem Lebensraum zu verscheuchen. Foto: Michaela Stenz.