Das Rieselwärter-Häuschen
Bis zum Ende der Nutzung als Abwasserkläranlage 1975 standen an mehreren Stellen in den damals mehr als 600 Hektar großen Rieselfeldern solche kleinen Unterkünfte für die Rieselwärter. Diese sorgten rund um die Uhr in drei Schichten für die Verteilung des aus der Stadt kommenden Abwassers.
Elektrischen Strom gab es nicht, wohl aber für die kältere Jahreszeit einen kleinen Ofen. Während nachts die Überwachung der Abwasserströme im Vordergrund stand, mussten tagsüber – vor allem in den Sommermonaten – die Zuleitungsgräben von Pflanzen freigehalten und kleinere Schäden an Schiebern repariert werden.
Abgesehen vom Handwerkszeug wie Schaufeln und Sensen war für das städtische Tiefbauamt, das für die Rieselfelder zuständig war, die Buchführung über die Berieselung von besonderer Bedeutung. Mit Hilfe der an der Südwand hängenden Karte, auf der jede einzelne Rieselfeld-Parzelle nummeriert war, mussten die Rieselwärter den Tag und die Uhrzeiten eintragen, in denen sie auf den einzelnen Parzellen das Abwasser verrieselten. So entstand eine flächendeckende Übersicht über die Intensität der Abwasser-Beschickung. Daraus ergab sich ab etwa 1966 die zwingende Notwendigkeit, entweder die Rieselfelder deutlich zu vergrößern, oder aber eine moderne Kläranlage zu bauen.
Nach 1975, der Inbetriebnahme des Hauptklärwerkes in Coerde, verschwanden die Rieselwärterhäuschen aus dem Landschaftsbild.
Seit einigen Jahren finden am Rieselwärterhäuschen immer im August einige Dichterlesungen und Installationen im Rahmen der Rieselfelder-Kulturtage statt. Hinweise hierzu finden sie auf den Internetseiten von Carsten Bender: https://gloster-productions.com
