Aufgaben

Die Biologische Station und ihre Aufgaben

Bereits in den 1930er-Jahren berichtete der damalige Direktor des münsterschen Zoos, Dr. Hermann Reichling, von Watvögeln in den Rieselfeldern.

Bis Mitte der 1960er-Jahre waren die heimischen Ornithologen (Vogelkundler) darauf bedacht, das Vogelparadies Rieselfelder möglichst geheim zu halten, damit nur wenige menschliche Besucher dorthin kamen und die Vögel ungestört blieben.

Der Beschluss zum Bau eines Großklärwerkes erforderte ein völliges Umdenken. Nun musste die Öffentlichkeit über das Vogelparadies informiert werden, um politischen Druck zu seinem Erhalt aufbauen zu können. Denn die Stadt plante aufgrund der guten Anbindung durch Kanal, Schiene und Straße, auf dem Gelände ein Industriegebiet zu errichten.
Im Mai 1968 wurde die „Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Rieselfelder Münster“ gegründet. Erster Stützpunkt war ein ausrangierter Bauwagen ab Spätsommer 1968 am Rande des Gebietes. Er war der „Grundstein“ der Biologischen Station. 1971 folgten zwei weitere Bauwagen, in denen sich Arbeitsplätze zur Beringung von Vögeln, Lagermöglichkeiten für die benötigten Geräte sowie provisorische Schlafstellen befanden.

Hauptaufgabe war es, durch Vogelberingungen verlässliche wissenschaftliche Daten über die Vogelwelt zu erheben. Diese dienten als Argumentationshilfe für die Notwendigkeit des Schutzes der Rieselfelder. Auf nahezu täglichen Exkursionen wurden die Ringe der Vögel abgelesen und die Beobachtungen dokumentiert. Das Vogelparadies rückte nun in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und so hing ab 1971 ein Schaukasten mit Informationen an einem der Bauwagen. In diesem Jahr begannen auch fachkundliche Führungen für Studentengruppen und naturkundliche Vereine.

Anfang der 1970er-Jahre setzten die Mitglieder der ornithologischen Arbeitsgemeinschaft mit Hilfe ortsansässiger Firmen eine alte Baracke wieder in Stand. Sie bot als erste feste Biologische Station Arbeits-, Schlaf- und Versammlungsräume sowie ein kleines Labor. Letzteres ermöglichte Untersuchungen zur Wasserqualität und Kleintierfauna.
Zudem wurden Broschüren erstellt, so dass auch außerhalb des Gebietes über die Rieselfelder informiert werden konnte. 1972 erschien das erste Buch über die Rieselfelder, 1981 das zweite.

Im Frühjahr 1975 war die Eröffnung des ersten Ausstellungsraumes für die Besucher, die mittlerweile aus dem In- und Ausland kamen. Pro Jahr wurden damals 50 Besuchergruppen durch die Rieselfelder geführt. Aus der ornithologischen Arbeitsgemeinschaft gründete sich 1974 der Verein „Biologische Station Rieselfelder Münster“, der die erste unabhängige Biologische Station in Nordrhein-Westfalen ins Leben rief. Sie diente auch als Vorbild für die weiteren Gründungen von Biologischen Stationen in Nordrhein-Westfalen.

Neben der Information von Bürgerrinnen und Bürgern wurde nun die Betreuung des Schutzgebietes zur vornehmsten Aufgabe der Biologischen Station. Die weitgehend zugewachsenen Wasser- und Schlammflächen mussten wieder hergerichtet werden. Rohrleitungen (statt offener Gerinne) erleichterten die Arbeit und die Vögel nahmen die Zusammenlegung einiger Parzellen gut an. Für das dazu notwendige Arbeitsgerät und die seit 1977 tätigen Zivildienstleistenden waren aber erneut die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten zu klein.
Mit Bundes- und Landesmitteln sowie einem Eigenanteil konnte das heutige Verwaltungsgebäude der Biologischen Station 1980 fertig gestellt werden. Auch an diesem Standort entstand ein Austellungsraum für Besucherinnen und Besucher.

Bis 1997 wurde die Station mit Ausnahme der Zivildienstleistenden und AB-Massnahmen rein ehrenamtlich betrieben. Das steigende Interesse der Bevölkerung erforderte aber ab dem Jahr 1997 hauptamtlichen Beistand. Mehr als 100 Veranstaltungen pro Jahr sind neben den anderen Aufgaben ehrenamtlich allein nicht mehr zu leisten.
Um Privatpersonen neben ehrenamtlicher Mitarbeit ein Engagement in den Rieselfeldern zu ermöglichen, gründete die Biologische Station 1993 den Freundes- und Förderkreis. Mit den Mitgliedsbeiträgen unterstützt er die Arbeit der Biologischen Station und die Haltung einer Wildrinder-Herde und trägt so zum Naturschutz und Erhalt der Rieselfelder bei. Die Zahl der Mitglieder ist seit Gründung kontinuierlich auf mehr als 450 gestiegen.

Durch die Aufgabe von Wehr- und Zivildienst im Jahre 2011 fielen sechs Stellen weg, die durch Freiwilligendienste wie Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) und Bundesfreiwilligendienst (Bfd) nicht aufgefangen werden können. Die vielfältigen Aufgaben der Station sind im Laufe der Jahrzehnte nicht weniger geworden:

  • Eine Hauptaufgabe ist weiterhin die nahezu tägliche Erfassung der Rast- und Zugvogelbestände.
  • Die wichtigste Aufgabe ist die Regelung der Bewässerung der Parzellen, die der Zug-und Brutzeit angepasst wird.
  • Regelmäßig werden ausgewählte Parzellen auf Nahrungsorganismen im Schlamm, Fische und Amphibien untersucht.
  • Nichts hält ewig – daher sind oft Instandhaltungsmaßnahmen an den Beobachtungseinrichtungen, der Weidezäunung, dem Bewässerungssystem und den Gebäuden erforderlich.
  • Obstbäume erfordern Pflegeschnitte. Kopfbäume müssen regelmäßig von ihren Ästen befreit werden, damit sie nicht unter deren Gewicht auseinander brechen.
  • Neu geborenen Wildrind-Kälbchen müssen (leider) Ohrmarken gesetzt werden. Die Mitarbeiter der Station fangen Jungbullen im Alter von ca. zwei Jahren aus der Herde. Im Winter wird auf den Weiden zugefüttert. Dazu werden die Wiesenflächen im Juli/August gemäht und Heu und Grassilage für die Winterfütterung eingefahren.
  • Die Station führt jährlich ca. 150 Umweltbildungsveranstaltungen für Besucher und Besucherinnen aus aller Welt durch.
  • Praktikantinnen und Praktikanten von Schulen, Fachhochschulen und Universitäten sowie Bachelor- und Masterarbeiten benötigen fachliche und praktische Betreuung.
Heckrindkälber mit markanten Ohrmarkierungen


Über verschiedene Projekte wird das Gebiet nach und nach sowohl für die Vogelwelt als auch für menschliche Besucher optimiert. 1978 errichteten ehrenamtliche Mitarbeiter die erste Beobachtungshütte. Bis zum Jahr 2000 folgten neun weitere. Sie ermöglichen den Menschen eine störungfreie Annäherung an die Vögel. Im Jahr 2000 hat die Biologische Station den Rieselfeldhof, die „Hofstelle Mertens“, in Erbbaurecht übernommen und mit Mitteln des Landes NRW, der NRW-Stiftung für Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege sowie der Stiftung für Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen zu einem Informationszentrum umgebaut.

2005 war die Eröffnung des 12 m hohen Beobachtungsturmes, finanziert über die EUREGIO, der einen fast vollständigen Überblick über die Rieselfelder ermöglicht. Bis zum Jahr 2012 konnten alle Beobachtungshütten im Naturerlebnisgebiet sowie der „Feldherrnhügel“ am großen Stauteich im Rahmen des mit EU-Mitteln geförderten Projektes „Naturerlebnis für Alle!“ so umgebaut werden, dass sie nun barrierefrei zugänglich sind.